Die erneuten Vogelgrippe-Fälle in Deutschland sind kein Anlass zu Panik, dennoch schüren sie Angst. Antworten auf die wichtigsten Fragen:
Vogelgrippe wird von Tiermedizinern auch Geflügelpest genannt. Sie ist eine Tierseuche, die durch das Influenza A-Virus hervorgerufen wird. Betroffen sind Hühner, Puten, Gänse, Enten und wild lebende Wasservögel. Die Infektion endet für die erkrankten Tiere tödlich.
Die Gefahr, sich bei infizierten Tieren anzustecken, ist gering. Erst durch Einatmen großer Mengen von Kotpartikeln, in denen die Viren enthalten sind, kann sich ein Mensch mit dem Erreger anstecken. Gefährdet sind daher vor allem Menschen, die einen engen Kontakt mit infizierten Hühnern, Enten oder Gänsen haben.
Nein. Der Verzehr ist unbedenklich, wenn das Fleisch gut durcherhitzt wurde. Denn das Vogelgrippe-Virus ist hitzeempfindlich. Das heißt: Beim Kochen oder Braten von Geflügelprodukten stirbt es ab.
In Deutschland gibt es auf allen Erzeugnungsstufen umfassende Eigenkontrollen und amtliche Kontrollen durch Tierärzte. Jede Herde wird vom Veterinär überprüft. In der Schlachterei erfolgt eine weitere Überprüfung. Alle Geflügelprodukte aus heimischer Erzeugung, die in den Handel kommen, können deshalb bedenkenlos verzehrt werden.
Eine Übertragung des Virus von Mensch zu Mensch wurde bislang nicht nachgewiesen. Allerdings könnte sich der Erreger der Vogelgrippe irgendwann mit dem der normalen Grippe zu einem neuen, hoch infektiösen Virus vermischen.
Seit dem ersten Ausbruch von H5N1 im Jahr 2003 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit 313 Infektionen bei Menschen registriert, von denen 191 tödlich verliefen, die meisten davon in Asien.
Die WHO hat zum Schutz vor einer massenhaften Verbreitung der Vogelgrippe das Grippemittel Tamiflu empfohlen. Der Wirkstoff dieses Medikaments verhindert die Verbreitung der Grippeviren. Auf diese Weise können zumindest die Grippesymptome gelindert werden.
Wie bei allen verschreibungspflichtigen Medikamenten ist Tamiflu in enger Absprache mit dem Arzt einzunehmen. Dies ist in diesem Fall umso mehr geboten, als dass Fehldosierungen bei Tamiflu zu folgenschweren Resistenzen führen können.
Einen Impfstoff gegen Vogelgrippe gibt es noch nicht. Und auch die erhältlichen Influenza-Impfstoffe schützen nicht vor einem neuen Virus. Die Impfung gegen Influenza ist nach Auffassung des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung dennoch zu empfehlen. Den durch eine flächendeckende Impfung kann die Entstehung gefährlicherer Varianten des Virus verhindert werden.
Eine Impfung von Geflügel gegen die Vogelgrippe ist umstritten. In Asien wird sie praktiziert. Die EU hatte unter Auflagen auch für die Impfung von Geflügel in Frankreich und den Niederlanden den Weg freigemacht. In Deutschland ist die Impfung bisher gesetzlich verboten.
Für eine Impfung spricht, dass die Erregerausscheidung im Fall einer Infektion des Tieres zwar nicht vollständig unterbunden, aber drastisch reduziert wird. Dadurch lässt sich die Ausbreitung der Vogelgrippe in Nutzgeflügelbeständen durch eine Impfung zumindest verlangsamen.
Gegen eine Impfung spricht, dass geimpfte Tiere sich nicht von ungeimpften unterscheiden lassen. Beide bilden Antikörper gegen das Virus aus. Ein Eintrag der Infektion in einen geimpften Tierbestand ist schwer zu erkennen, weil Krankheitssymptome bei geimpften Tieren verschleiert werden. Damit sind Verzögerungen bei der Bekämpfung der Seuche programmiert.
Problematisch ist die Impfung großer Tierbestände: Sie kann oft nicht hundertprozentig sichergestellt werden.
Hühner und Puten erscheinen apathisch und verenden meist 24 bis 48 Stunden nach der Infektion. Hühner legen keine oder stark verformte Eier. Bei manchen Tieren verfärben sich Kamm und Füße blau. Manche Tiere haben Durchfall.
Reisende sollten den Kontakt zu Geflügel meiden und auf den Besuch von Geflügelmärkten verzichten. Beim Verzehr von Geflügelfleisch ist darauf zu achten, dass es vorher gekocht oder durchgebraten wurde. Das Zentrum für Reisemedizin in Düsseldorf rät außerdem, sich vor der Reise gegen Grippe impfen zu lassen.
Zur Zeit gibt es keine offiziellen Reisewarnungen aufgrund der Vogelgrippe. Informationen über Infektionsrisiken im Ausland finden Reisende beim > Auswärtigen Amt und beim > Luftfahrt-Bundesamt.
Verboten ist jegliche Einfuhr von Vögeln sowie von Geflügelprodukten und Eiern. Selbst Federn und unbehandelte Jagdtrophäen dürfen nicht mitgebracht werden.
Ja. Es ist unbedenklich, in Seen und Teichen zu baden, auch wenn an diesen Gewässern Vögel nisten. Vogelkot infizierter Tiere, der ins Wasser gelangt, wird so sehr verdünnt, dass keine Infektionsgefahr besteht.